CURRENTS Design Festival, Berlin – Strömungen, die mitreißen
Beware of the currents! Diesen Hinweis liest man häufig auf Warnschildern an Stränden oder Küstenabschnitten. Wer nicht aufpasst, könnte durch Unterströmungen abgetrieben werden. In Berlin muss man davor keine Angst haben. Das Meer ist weit weg, die Spree ist auch kein reißender Strom. Und doch – Wer vom 10. bis 12. September 2026 in der Stadt unterwegs war, der könnte mitgerissen worden sein: Von CURRENTS, dem neuen Design Festival in Berlin.
Wie bringt man Design, Interior Studios, Manufakturen, Marken, Galerien oder kreative Fachbereiche von Hochschulen zusammen, bildet geistige Strömungen, Trends oder Stimmungen in der Gesellschaft ab und sorgt dafür, dass Berlin zur großen Bühne für Kreativität in all' seinen Facetten wird?
Dieser Fragestellung gingen Jasmin Jouhar und Laura Ewert, zwei in der Kreativszene gut vernetzte Berliner Journalistinnen, nach, und schafften es, mit nur wenigen Monaten Vorlauf, ein Festival auf die Beine zu stellen, das begeisterte. Mitriss. Können Strömungen Wellen erzeugen? CURRENTS konnte (und kann) es. Das Festival, an dem sich über 80 Teilnehmende an etwa 60 Standorten beteiligten, schlug so hohe Wellen, das die beiden Gründerinnen bereits heute beginnen, für das nächste Jahr zu planen. CURRENTS war ein voller Erfolg.
Das Erfolgsgeheimnis des neuen Festivals? Motivierte, neugierige und interessierte Menschen schafften es, gemeinsam eine Plattform für Design zu initiieren, die nicht nur Produkte in den Mittelpunkt stellte, sondern auch die Menschen dahinter. Es ging in großen Teil sehr persönlich zu, die Kreativen waren vor Ort, man sprach miteinander. Und das an zum Teil ganz besonderen Orten, die Berlin immer noch aufzuweisen hat und die in Erinnerung bleiben. Auch wenn die »hidden places« tatsächlich immer weniger werden.
So wurde z.B. eine ehemalige Jalousiefabrik in Kreuzberg zum Festival-Space für eine Gruppe Berliner Designer. Darunter das Studio Llot Llov, das sein 20-jähriges Jubiläum mit einer außergewöhnlichen Ausstellung in einem außergewöhnlichen Setting feierte. Das leer stehende Hinterhaus mussten die Kreativen zunächst tagelang sauber machen und herrichten, bevor Leuchten, Möbel, Textilien und viele andere Produkte einziehen konnten.
Der Designer Pascal Hien stellte in der Jalousiefabrik seine neue Kollektion für Tecta vor, Balzer Balzer Studio seine genialen Bubble Lights. Um nur einige Teilnehmende zu nennen. Eine Pop-Up-Bar im Erdgeschoss sorgte für entspannte Pausen und Zeit zum Netzwerken während des Rundgangs durch die Räume des Gebäudes, das demnächst von einer Baugruppe saniert wird.
Über 60 Locations in zwei Tagen zu besuchen – leider eine Unmöglichkeit. Wohl dem, der einen guten (Zeit)Plan hatte, um so viel wie möglich zu sehen und zu erleben. Denn wer wollte nicht dabei sein, wenn neue Produkte gelauncht, Design Talks abgehalten und Räumlichkeiten als Gesamtkunstwerk gezeigt wurden? So zeigte The Foundry in den Wilhelmhallen in Reinickendorf die Ausstellung »The Overview Effect«, kuratiert von Anna Carnick. Internationale Designer zeigten mit ganz unterschiedlichen Werken ihre Sicht auf die Welt, inspiriert von dem Moment, wenn ein Astronaut die Welt das erste Mal von oben sieht. Ein Erlebnis. In einer ehemaligen Destillerie, heute Kunst- und Kultur-Campus Monopol Berlin an der Grenze zu Wedding/Pankow, lud das Designportal Deoron ebenfalls zu einem atmosphärischen Gesamterlebnis ein. Möbel, Keramik, Sound, (Raum)Duft, Handwerk und Technologie, ergänzt durch Performances, Talks und Listening Sessions, ergaben ein spektakuläres Miteinander.
Eine wichtige Rolle während des Festivals spielte das 1957 anlässlich der Interbau errichtete Eternithaus in Berlin Tiergarten. Jasmin Jouhar und Laura Ewert konnten es für einen Ort der Begegnung gewinnen, an dem Talks stattfanden. Abends traf man sich zum Apéro bei schönstem Wetter. Hier wurde auch für einen Abend der von mono und der UdK entwickelte IMBISS aufgebaut. Pommes und Eis bei cooler Musik und Launch des Edelstahl Tools »Compagno«, designed von Oskar Poetsch. Gute Stimmung herrschte bei dem Event, das so gut besucht wurde, dass sich mono-Inhaber Johannes Seibel schnell um den Nachschub der Pommes kümmern musste. Die 200 »Compagnos«, die bei jeder Portion Fritten mitgegeben wurde, waren sofort ausverkauft.
Außerdem öffneten Galerien, Designstudios, Interior Designer, kleine Brands und Manufakturen während CURRENTS ihre Türen, stellten aus oder luden zu Drinks, Toast (!) und Gesprächen ein. So auch die Kunsthochschule Weißensee, die den ehemaligen Flughafen Tegel und den Forschungscampus Dahlem bespielte.
Das Stadtquartier am Tacheles war ein weiterer Hotspot des Festivals. Zur Zeit noch leer stehende Gewerbeeinheiten, Townhäuser oder Wohneinheiten wurden den Festivalteilnehmenden zur Verfügung gestellt, um ihre Produkte zu präsentieren. Sehr inspirierend. So wie das gesamte Festival, das durchweg in bester Erinnerung bleiben wird und dessen positive Stimmung uns noch lange durchströmen wird.
Vielen Dank, Jasmin Jouhar und Laura Ewert, für Euer Engagement, euren Mut und die viele Arbeit, die Ihr in dieses Projekt gesteckt habt. Weiterhin viel Erfolg und viel Glück für CURRENTS 2027!